Eine Mühlentour auf weißen Straßen


Egal wer von uns denkt, er habe im Umkreis von 120 km um seinen Wohnort schon sämtliche Straßen, die man sonntags so fahren kann, abgegrast, dem erzählt Ecki was anderes.
Denn Ecki hat definitiv andere Straßenkarten als wir. Die Trüffel, auf die sich Eckis Nase bei der Planung der Route auf die Suche gemacht hat, waren nicht „die gelben“ auf der Landkarte, sondern „the white ones“. Das Ergebnis präsentiert er uns an diesem Sonntag.

Bevor es in Winterbach losgeht, gibt es noch ein Rätsel, das gelöst werden kann, mit Aussicht auf einen kleinen Preis: „Mühlenzählen“! Also Augen auf und Konzentration, nicht nur aufs Fahren, sondern auch auf Schilder und Hinweise auf vorhandene Mühlen.

Eckis „15-Mann-Einheit“ startet die Motoren und setzt sich neugierig in Bewegung. Schon nach ein paar Kilometern biegt unser Guide-Duo zum ersten Mal ab und ersetzt die eben noch bekannten Straßen durch neue, überraschende Wege. Wir tauchen ein in die heimatlichen Wälder, passieren Lichtungen und münden auf Kuppen, die in wunderschöne Täler um Welzheim und bis nahe Schwäbisch Hall hinabführen. Wir queren das, was wir schon kennen, und erleben doch alles neu. Es fehlen nur noch Elfen und Waldgeister.

Dass wir auf dem richtigen Weg (mit Ecki) sind, das ist absolut klar. Zu idyllisch ist die frühlingshafte Landschaft, zu reizvoll die gewundenen Sträßchen und zu gut die Stimmung der ganzen Truppe, als dass wir falsch sein könnten. Daran zweifelt keiner.
 

Beim Zählen der Mühlen ist das bissl anders. Während der Pausen denkt man nicht nur an ein geeignetes Gebüsch oder an die fehlenden Turbokekse. Der eine oder andere versucht herauszufinden, ob er mit der Anzahl der bisher gezählten Mühlen ebenfalls auf dem richtigen Weg ist. Die Tipps bleiben aus, aber Silkes Antwort fällt mit einem bezaubernden Lächeln und ganz nach ihrer Manier aus: “wird nix verraten, Weiteeeerzääääählen“!

Ecki kann nicht nur akribisch planen, er kann wohl auch “um den Finger wickeln”, denn sonst ist kaum zu erklären, wie er es geschafft hat, am Muttertag doch noch ein Lokal für 15 Mann zu finden, obwohl es schon aussichtslos war: “A Platzel” gefunden im bis auf den letzten Stuhl ausgebuchten Gasthaus, vorbeigeschleust an den Familienzusammenkünften, in einem Nebenzimmer, die vorbestellten Speisen ratzfatz auf den Tisch gebracht und bestens mit Getränken versorgt. Meisterleistung auf beiden Seiten!

Auch am Nachmittag geht es spannend weiter auf versteckten, unbekannten Strecken mit Pausen an verwunschenen, gut erhaltenen Mühlen, die idyllisch am Bächlein liegen. Das eine oder andere Mühlrad dreht sich trotz niedrigem Wasserstand, als hätte es bis zu unserem Besuch mit dem letzten Tropfen durchgehalten.

Aber es gibt nicht nur poetisch-idyllische Sehenswürdigkeiten. Der Halt am Technikmuseum Kiemele bringt Erwachen, Staunen und Bewegung in den Haufen, wenn sich alle vor den Flugzeugen, um den Cadillac herum, zum Gruppenfoto hindrapieren.

So sind alle wieder fit und konzentriert für die letzte Etappe. Größere Straßen laden zwischendurch nämlich zum schwungvollen Fahren ein, aber nur bis Eckis Navi den Arm ausstreckt und die Gruppe in eine dunkle Waldeinfahrt navigiert (einmal etwas unerwartet… brems…breems…breeeeems!) – „Oha, ich seh nix… Ist da überhaupt ´ne Straße?“…: “Ab durch die Hecke – wird scho passen”.

Entgegen den wolkigen Wetterprognosen bescheren uns, bei der letzten Pause, an diesem durchgängig sonnigen Tag sechs Mammutbäume Schatten. Fünf „Mann“ braucht es, um den dicksten Riesen zu umarmen.

Eckis unendliche Geduld beim Planen wird am Ende der Tour, beim langen Anstehen an der Eisdiele, dann doch nochmal hart auf die Probe gestellt. Der eine oder andere gibt auf. Ecki aber WILL jetzt Eis!, und die hinter ihm auch. Die meisten kommen doch noch zum Schlotzen und sobald die Waffeln bis zum letzten Krümel vertilgt und die Becher ausgekratzt sind, werden die Mühlen-Zahlen-Gebote abgegeben.

So homogen die Gruppe an diesem Tag, so differenziert die Ergebnisse: Zwischen 8 und 37 Mühlen sollen gesichtet worden sein. Des Rätsels Lösung: Es waren 27. Und weil’s zum Thema passt, ist der Preis für das richtige Raten: Mehl für das sonntägliche Baguette Backen.

Mein ganz persönliches Fazit von diesem tollen Tag: Mut zu kleinen Straßen! Da siesch’s Ländle noch mal ganz anders!

Ecki, bisch a Planungskäpsele!

Die Cat